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Zeichnungen von Ink im Wetzlarer Kunstverein

Kunstpreis für INK
 
INK oder besser Ingrid Sonntag-Ramirez Ponce, deren Arbeiten wir bis 10. April in der WKV-Galerie zeigen, hat den Internationalen Kunstpreis der Sparkasse Karlsruhe-Ettlingen gewonnen. Die Jury, bestehend (Prof. Götz Adriani, Vorstand der Stiftung der Kunsthalle Tübingen, Prof. Pia Müller-Tamm, Direktorin der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, Prof. Rödiger-Diruf, Direktorin i.R. der Städtischen Galerie Karlsruhe, und Prof. Günther Wirth, Kunstkritiker, Stuttgart, sowie Sachjuroren) hat sie einstimmig für ihr Diptychon "reflejo y reflexión - duende I" (2011, Bleistift auf Papier) zur ersten Preisträgerin gewählt. Die Ausschreibung forderte Künstler auf, sich mit dem Thema "Spiegelung und Reflexion" auseinander zu setzen.


Der Präsident ist nackt


Wetzlar (sh). Wer die Galerie des Kunstvereins im Alten Rathaus (Hauser Gasse 17) betritt, wird von einem nackten Nicolas Sarkozy empfangen. Gut, der französische Staatschef ist gezeichnet und die pikanteste Körperregion verdeckt. Dennoch verfehlt das Bild, das in der Ausstellung "Gesichter der Erde" mit 16 weiteren Werken von Ingrid Sonntag-Ramirez Ponce alias Ink zu sehen ist, seine Wirkung nicht.
 
Ein Politiker (fast) völlig entblößt aufs Papier gebannt – ist das Kunst? Und ob, und zwar auf hohem technischen und konzeptionellen Niveau. Das wurde am Sonntagmorgen bei der Vernissage deutlich. Die Künstlerin selbst, die eher unter dem Künstlernamen Ink bekannt ist, erläuterte im Gespräch mit dem 2. Vorsitzenden Gert Heiland dabei gut 50 Gästen ihre Arbeitsweise. Wollte man die auf einen ersten Nenner bringen, dann würde der Begriff "Seelenzergliederung", der seit Anfang des 20. Jahrhunderts die Runde macht, gute Dienste leisten.


INK: «Carlo Bruni»
INK: "Carlo Bruni".

Ink schaut unter die Oberfläche von Menschen, allerdings mit freundlicher Ironie und spitzbübisch-charmantem Augenzwinkern. Ein Beispiel? Bleiben wir einfach bei Sarkozy. Die große Zeichnung, die "Carlo Bruni" heißt und sich an ein Foto von Sarkozy-Ehefrau Carla Bruni anlehnt, ist ein sarkastischer Pfeil, der direkt auf die Eitelkeit des französischen Politikers abzielt. Die Hintergründe der Ironie des Bildes erläuterte Ink: Beim Besuch auf der Ranch von Ex-Präsident George W. Bush sei der Franzose mit freiem Oberkörper fotografiert worden. Später wurden die Fettpölsterchen wegretuschiert. Sie habe sie ihm einfach wieder verpasst, erzählte die Künstlerin.
 
Das Elend von Manilas Kindern
 
Bis hierhin wäre das Ganze dann also einfach witzige Karikatur, doch die Idee, die sich hinter den Politiker-Bildern – unter denen sich auch eine Fähnchen schwenkende (bekleidete!) Angela Merkel findet – reicht weiter. Im Kontrast mit Bildern, die Ink im zweiten Raum zeigt, werden sie zur messerscharfen Gesellschaftskritik. Angeregt vom "Tatort-Verein", der sich um arme Kinder in Manila kümmert, zeigt die Zeichnerin das Elend dieser Kinder, und im Zusammenwirken beider Werkgruppen wird die Kritik deutlich. „Hier zeige ich das Elend auf der Welt“, sagte Ink zu den Manila-Bildern. "Da draußen (im ersten Ausstellungsraum) hängen die, die unsere Welt besser machen sollten. Das tun sie aber nicht, und deshalb habe ich sie teilweise entblößt", so die Künstlerin, die bei ihren technisch erstklassigen Zeichnungen zumeist von Fotografien ausgeht.


 «Manila» heißt diese Arbeit von Ingrid Sonntag-Ramirez Ponce.
"Manila" heißt diese Arbeit von Ingrid Sonntag-Ramirez Ponce.

Etwa, wenn sie Menschen aus dem Alltag zeichnet: eine Frau in Tracht, einen kernigen Frankfurter, einen skurillen Typen mit Pearcings und Ohrring. Während des Fotoshootings lernt Ink ihr Modell kennen. Mit dem Ende des Shootings endet auch das Kennenlernen, denn beim Zeichnen möchte die mehrfach ausgezeichnete Ink ihren Sujets ihre eigene Sichtweise einhauchen. Das gelingt ihr meisterlich.


Ingrid Sonntag-Ramirez Ponce alias Ink
Ingrid Sonntag-Ramirez Ponce alias Ink

Wer sich überzeugen will, kann dies bis 10. April freitags von 16 bis 18 Uhr, samstags von 11 bis 15 Uhr und sonntags von 13 bis 16 Uhr tun. Eintritt frei. Info/Kontakt unter www.wetzlarer-kunstverein.de.
 

Leserbrief von Cornelia Klinke, Gießen
Leserbrief von Cornelia Klinke (Gießen) in der "Wetzlarer Neuen Zeitung" vom 23. März 2011

 

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