Aktuelles

Holger Daberkow hat sich durch Ausstellungen und Publikationen überregional einen Namen gemacht. Sein neuestes Projekt, die Fotoausstellung „Leitz-Park 3“, ist in den Räumen des Wetzlarer Kunstvereins zu sehen.Die Ausstellung belegt einmal mehr Daberkows ungewöhnlichen und ästhetischen Blick auf Gegenstände und Materialien.

Eine kurze Einführungsrede hielt Gert Heiland, Vorsitzender des Wetzlarer Kunstvereins. Er verzichtete darauf, die technischen Finessen des Leica-Fotografen einzugehen. Heiland ist fasziniert von Daberkows Blick für das Potenzial der profanen Dinge, den im Bild transportierten Humor und die Kunst des Fotografen, neue Geschichten entstehen zu lassen. Als Beispiel nannte er das Bild der großen Baggerschaufel, die wie ein Raubsaurier ins Bewusstsein des Betrachters stampft. Oder das „Ballett der Kräne“, das Heiland an Kraniche erinnert. Bestandteil der Ausstellung ist auch eine Dokumentation über Architektur und Industriekultur.

Seit zwei Jahren fotografiert Daberkow  mit Leica-Kameras auf der Baustelle „Leitz-Park 3“. Herausgelöst aus einem rein funktionalen Zusammenhang entwickeln die Gegenstände eine eigentümliche Schönheit, die sich dem Betrachter erst erschließt, nachdem sie ihre Zweckmäßigkeit verloren haben.

Die Ausstellung „Leitz-Park 3“ ist bis zum 2. Juni in der Galerie des Wetzlarer Kunstvereins im „Alten Rathaus“, Hauser Gasse 17, zu sehen. Öffnungszeiten: Freitag, 16 bis 18 Uhr; Samstag, 11 bis 14.30 Uhr; Sonntag, 13 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Bedauerlich: Die Ausstellung von Luciano Castelli, die am 8. Juni eröffnet werden sollte, wird auf Wunsch des Künstlers sowie  aus organisatorischen Gründen um ein Jahr verschoben. Für Ersatz wird gesorgt, schließlich soll der Kunstverein zur Nacht der Galerien wieder etwas Niveauvolles zu bieten haben, und zwar Arbeiten der Gruppe "Zero". Eröffnung ist  am 8. Juni um 19 Uhr in der WKV-Galerie.

Der Wetzlarer Kunstverein hatte zum Kunstgespräch mit Dr. Susanne Ließegang in die Schnitzler´sche Buchhandlung eingeladen. Die Farbe Blau stand auf dem Programm. Zum Auftakt füllten blaue Töne die Buchhandlung. Das Video einer Gesangsimprovisation von Simone Rau zu einer Rauminstallation in der Ausstellung „Blaubeziehung“ von Nikolaus Koliusis im Duisburger Museum DKM  (bis 9.4.) ermöglichte den Besuchern einen sinnlichen Zugang zur räumlichen Dimension der Farbe. Denn im Rahmen eines Gespräches, das sich auf Reproduktionen von Kunstwerken bezieht, ist die Vermittlung von Farbeindrücken  besonders schwierig. Ihre Wirkung beruht auf der im Kunstwerk gestalteten Verbindung von Materialität und Licht.

Susanne Ließegang stellt drei Künstler vor, die mit der Farbe Blau auf die Wahrnehmung von Wirklichkeit einzuwirken versuchen.  Yves Klein, (1928 – 1962) suchte mit seinem patentierten YKB (Yves Klein Blue) eine Transzendierung  der erstarrten Welt. Angefangen bei den monochromen Bildern über die Körperabdrücke von Frauen bis hin zum Überziehen von realen Gegenständen mit der blauen Farbe erhoffte  sich Klein den Anstoß zu liefern, die Welt zu einem besseren zu wenden.

Von Nikolaus Koliusis (geb. 1953) wurde die Berliner Informations- und Gedenkstätte für die Opfer der nationalsozialistischen Euthanasie Morde  vorgestellt. Mittels einer blauen Glaswand verwandelt sich hier der historische Platz T4 zu einem Ort, an dem das Gedenken als ein „Begegnung“ mit Opfern und Tätern zu einem Prozess wird, in dem die  Würdigung des Menschen im Mittelpunkt steht. Das Blau eröffnet hier einen Perspektivwechsel in der Sichtweise. In der Ausstellung  „DurchHaus“  im Uniklinikum Gießen (bis Juli) wird erkennbar, dass die vom Blau getragenen Perspektivwechsel zum Grundkonzept Koliusis gehören.

James Turell (geb. 1943), der Dritte im Bunde, nutzt Farben als ein Medium, das die Raumdimensionen radikal verändert. Seine Lichtinstallationen entgrenzen den Raum und lassen körperlich spürbar werden, dass menschliche Orientierung im Raum von Raumgrenzen abhängig ist. In Umkehrung erzeugen Turells Ganzfeld-Installationen einen dimensionslosen Raum, der so manchen schwindelig werden lässt. Ab 9.6. lädt das Burda Museum Baden-Baden zum Experimentieren mit dieser Raum-Erfahrung ein. Mit dem Hinweis auf den blauen Kreis, der 2017 von einer Jury im Rahmen der Frankfurter Schirn Ausstellung „peace“ zum neuen Peace-Logo gekürt wurde, unterstrich Ließegang den Anspruch, dass die gezeigten Werke auf die Veränderung von Wirklichkeit zielen.

            

1078 Besucher hat der Kunstverein 2017 in seiner Galerie im Alten Rathaus gezählt. So Vorsitzender Gert Heiland in der Jahreshauptversammlung. Höhepunkte waren zum einen die Ausstellung mit Arbeiten des als Sprayer von Zürich bekanntgewordenen Harald Naegeli. Er hatte die Vernissage im WKV genutzt, um sein Statement in eigener Sache zu verlesen, das er wenige Tage später vor einem Gericht in Zürich vortragen wollte. Dort musste sich Naegeli erneut wegen „Sachbeschädigung“ verantworten. Zum anderen fand auch die lange Nacht der Galerien wieder viel Zuspruch. Und auch die Kunstgespräche in der Schnitzlerschen Buchhandlung stießen auf gute Resonanz.
Auch Wahlen standen in der Hauptversammlung an. Es bleibt alles beim Alten. Den Vorstand bilden Gert Heiland (1. Vorsitzender), Margret Uellenberg (2. Vorsitzende), Roderich Helmer (Schriftführer) und Schatzmeister Joachim Czech, künstlerischer Beirat ist Dr. Susanne Ließegang.
In der Aussprache kam aus dem Plenum der Vorschlag für einen Wettbewerb, der sich an Gymnasien richtet. Ziel ist, junge Menschen für Kunst zu interessieren und an den WKV heranzuführen. Kontakt: www.wetzlarer-kunstverein.de (gh))

„Bernard Schultze ist unbestritten einer der wichtigsten Wegbereiter der abstrakten Malerei in Deutschland nach 1945“. Das hat bei der Vernissage der Ausstellung "...wohin immer das Bild will" einer gesagt, der es wissen muss: Timm Gierig, Frankfurter Galerist und Freund des Künstlers. Er hat im Kunstverein die Arbeiten dieses wichtigen Künstlers vorgestellt. Etwa 50 Gäste waren gekommen.


Nach der Begrüßung durch Vorsitzenden Gert Heiland gab Gierig in seinem anekdotenreichen Vortrag einen Einblick in die Bedeutung des Künstlers für die deutsche und internationale Kunstszene nach 1945. Als Mitglied der „Frankfurter Quadriga“ war Schulze zusammen mit Karl Otto Götz, Otto Greis und Heinz Kreuz einer der Künstler, die Deutschland nach dem Ende der Nazizeit wieder zum Anschluss an die internationale Avantgarde verhalfen. In der Frankfurter Zimmergalerie Franck hatten die Vier als "Franfurter Quadriga“ 1952 erstmals informelle Malerei gezeigt.


Die im Alten Rathaus gezeigten Werke des 2005 verstorbenen Schultze sind Teil einer großen Ausstellungstournee aus dem Jahr 2015, die anlässlich des 100. Geburtstages Schultzes durch viele große Museen gewandert ist. Nun besteht im WKV die fast einmalige Gelegenheit, eine repräsentative Werkschau des bekannten Malers auf kleinem Raum zu erleben und so ein kunsthistorisches Schwergewicht nahe zu kommen.


„Der große Maler Bernard Schultze würde am 31. Mai 103 Jahre alt. Über die Ausstellung in Wetzlar würde er sich sehr freuen“, versicherte Timm Gierig.
Die Ausstellung ist bis zum 22. April im Kunstverein, Hauser Gasse 17, zu sehen. Öffnungszeiten: Fr. 16 - 18 Uhr, Sa.11 - 14.30 Uhr, So.13 bis 16 Uhr.
Mehr zum Verein auf www.wetzlarer-kunstverein.de

Anbei Bilder der Vernissage (K.J. Frahm). Rechts: Auch in Frankfurt wird für die Ausstellung geworben.