Ausstellung von Abi Shek

von Stephan Scholz

 

WETZLAR. Archaisch? Rudimentär? Abstrakt? Fest steht auf jeden Fall: Der Wetzlarer Kunstverein startet tierisch ins neue Ausstellungsjahr. Denn noch bis zum 2. April ist in der vereinseigenen Galerie im Alten Rathaus in der Hauser Gasse 17 die Ausstellung "Tierbilder" mit Holzschnitten und Zeichnungen von Abi Shek zu sehen. Zur Vernissage am Sonntag kamen rund 20 Gäste, die die Gelegenheit nutzten, mit dem Künstler ins Gespräch zu kommen. In seiner Begrüßung kündigte Vorsitzender Gert Heiland an, dass der Verein in diesem Jahr statt sieben nur sechs Ausstellungen präsentieren werde. Dies habe mit der Kürzung der städtischen Zuschüsse zu tun.
Es ist ein seltsames Gefühl von Vertrautheit, dass sich beim Betreten der Ausstellung einstellt. Rein auf den ersten Blick erinnern die Formate in allen Größen an Bilder, wie man sie aus der Höhlenmalerei kennt. Denn Shek, der heute in Stuttgart lebt, zeichnet seine Tiere mit hohem Abstraktionsgrad, der seinen Sujets gerade die rudimentären Notwendigkeiten gibt, die sie als das jeweilige Tier wie Hasen, Elche oder Steinböcke identifizierbar machen. Überwiegend sind die Motive in einer oder zwei Farben gestaltet, farbenfrohen Naturalismus sucht man hier vergebens. Warum Vertrautheit? Zunächst resultiert sie natürlich aus der Nähe zur Höhlenmalerei, die aber nur wie eine Art Katalysator für tiefer liegende Inhaltsebenen funktioniert: Mit dem elementaren Charakter seiner Formensprache referiert der Künstler auf prototypische Vorstellungen von beispielsweise "dem Steinbock", wie sie massenpsychologisch gesellschaftlich kodiert sind. Durch die Konzentration auf das Wesentliche des Motivs wird quasi sein wesenhafter Kern sichtbar gemacht, was philosophisch schon eine Nähe zum Existenzialismus Sartrescher Prägung hat. Eine wesentliche Maxime dieser Denkrichtung ist ja, dass das Ding genau das ist, was es ist, nicht mehr und nicht weniger, und das alles weitere Zuschreibungen sind. Diese Philosophie auf Sheks Bilder angewandt lassen sie sich durchaus als Aufforderung deuten, im Leben genau hinzusehen und ein Bewusststein für die reine Existenz der Dinge - oder in diesem Fall Tiere - zu entwickeln, die in ihrem wesenhaften Kern von Zuschreibungen wie durch Ideologie unabhängig ist. Kurz, eine intelligente Ausstellung mit ansprechend gearbeiteten Werken.
Warum er gerade diese Form von Tierbildern gewählt habe, wollte Heiland von Shek im einführenden Künstlergespräch wissen. "Ich mag Tiere und bin mit Tieren aufgewachsen", antwortete der Gast. In seinen Bildern seien sie jedoch Mittel, um etwas über Menschen oder Gesellschaft zu sagen. Mit der gewählten Form habe er an eine uralte künstlerische Tradition anknüpfen wollen, in der Tiere immer wieder symbolisch für etwas anderes stehen, erläuterte Shek, bevor er den Gästen intensiv in Einzelgesprächen zur Verfügung stand. Wer die Vernissage verpasst hat: Die Ausstellung ist freitags von 16 bis 18 Uhr, samstags von 11 bis 14.30 Uhr und sonntags von 13 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.