Kunstgespräch mit Dr. Susanne Ließegang

Von Klaus Frahm

„Beuys geht immer, sagt Gert Heiland,und wie wir alle sehen, er hat Recht“, sagte Dr. Susanne Ließegang zu Beginn ihres Vortrags über den ebenso bedeutenden wie umstrittenen Künstler Joseph Beuys.
Zuvor hatte Heiland, Vorsitzender des Wetzlarer Kunstvereins, die Besucher in der Schnitzlerschen Buchhandlung begrüßt. In der Reihe „Kunst im Gespräch“ war der 1986 verstorbene Künstler Beuys bereits mehrfach Thema und stieß stets auf Interesse. Am Montagabend projizierte Susanne Ließegang eines der umstrittensten Kunstwerke Beuys’ auf die Leinwand. Den Fettstuhl, das Werk des Künstlers, das bis heute das meiste Unverständnis hervorriefe, könne man nicht verstehen, man könne sich nur darauf einlassen, so Ließegang. Und das scheine bis heute schwierig zu sein. Im Fettstuhl seien das Statische und das Bewegliche des Lebens vereint.
„Beuys sieht die Sprache als sein künstlerisches Material an“, so Ließegang. Es sei dem Künstler immer darum gegangen, anzustoßen und das gelinge ihm mit seinen Arbeiten bis heute. 1965 habe Beuys in einer Performance einen toten Hasen für Kunst erklärt. Der Künstler habe sein Gesicht mit Honig übergossen und mit Blattgold belegt und sei mit dem toten Tier auf dem Arm durch die Galerie gegangen. Das Publikum habe die Performance nur durchs Schaufenster sehen können und auch die Erklärungen der Bilder seien nicht zu hören gewesen.
„Beuys sagt, die Tiere müssen für uns leiden“, so Ließegang. Zum Hasen habe der Künstler ein besonderes Verhältnis gehabt, er sei für ihn so etwas wie sein Totemtier gewesen. 1974 habe Beuys in New York seine Performance „I like America and America likes me“ aufgeführt. Vier Tage habe er sich mit einem Koyoten eingesperrt, dem heiligen Tier der Indianer.
„Selbst im ?Gestein“
Anhand der Zeichnung „Selbst in Gestein“ erklärte Ließegang das fast mystische Verhältnis Beuys’ zur Natur. Das Gesicht im Steinbrocken stehe gegen das versteinerte Denken, das Beuys den Menschen vorwerfe. „Ich denke sowieso mit dem Knie“, habe Beuys einmal gesagt und sei dafür belächelt worden. Dabei könne man dies angesichts neuer neurologischer Erkenntnisse als visionär bezeichnen. Das Denken finde nicht im Gehirn statt, habe man herausgefunden. Dort werde das Denken nur verschaltet.